Berichte von 09/2019

Ein Monat voller Erlebnisse und Erfahrungen

23Sept2019

Vor genau einem Monat habe ich Deutschland verlassen, einen Monat lebe ich nun schon weit weit weg von gewohnter Umgebung, Familie und Freunden, über einen Monat habe ich schon keinen Döner und kein Vollkornbrot mehr gegessen und seit einem Monat ist es für mich völlig normal, wenn ein Esel meinen Weg kreuzt und die Taxis wie wild durch die Gegend hupen. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht und nach vier Wochen kann ich nun auch sagen: Ich bin angekommen! Ich habe realisiert, dass das hier mein zu Hause für die weiteren 11 Monate sein wird, mein Zimmer ist eingerichtet und ich verspüre einen Alltag. Doch nun weiter mit ein paar Berichten:

Vor ca. 3 Wochen waren wir zu einer afrikanischen Zeremonie im Township eingeladen – definitiv eine Erfahrung, die ich nicht so schnell vergessen werde, auch wenn ich es mir anfangs echt total anders vorgestellt hatte. Bei unserer Ankunft erfuhren wir, dass vor ein paar Jahren ein Familienmitglied verstorben ist, zu dessen Ehren heute eine Kuh geschlachtet wurde, die wir gleich essen werden. Die Kuh befand sich also größtenteils schon lange im Kochtopf. Nichtsdestotrotz bekamen wir einige Einzelteile (z.B. Kopf, Beine) zu sehen. Gegessen wurde dann tatsächlich einfach nur das Fleisch, kein Salat oder irgendwelche Beilagenwink. Viel mehr hat mich aber die Tatsache schockiert, dass ich nicht bei den Männern sitzen durfte. Hier herrscht nach wie vor eine strikte Trennung zwischen Mann und Frau (Welche sich gegen Abend durch den steigenden Alkoholkonsum aber auch deutlich gelockert hat.). Im ersten Moment hat mein Kopf das aber irgendwie gar nicht realisiert und ich dachte ich habe irgendetwas falsch verstanden. Natürlich habe ich mich der Kultur angepasst, aber ein bisschen komisch war mir schon dabei. Nach dem Essen ging es dann so richtig los und damit habe ich nicht gerechnet: Wodka und Gin pur gingen ununterbrochen die Runde herum und es wurde ausgelassen getrunken. Hier wurde die Gastfreundlichkeit der Südafrikaner dann nochmals deutlich. Wir waren gut an die 100 Gäste und keiner ging heim, ohne etwas getrunken zu haben. Teils habe ich mich schon gefragt, wie das Ganze finanziert wurde, aber das hinterfragt man in so einem Moment wohl besser gar nicht erst. Kurz vor Sonnenuntergang ging es dann für uns wieder zurück nach Hause, denn im Dunkeln durch die Gegend zu laufen ist aus Sicherheitsgründen leider ein absolutes Tabu (Dazu kommt aber sicherlich nochmal ein extra Blogpost smile).

Die darauffolgenden Wochenenden waren wir zweimal in der wunderschönen Landschaft rund um Grahamstown wandern und ich nahm das erste Mal am „Parkrun“ teil. Jede Woche treffen sich hier Samstag früh um 8 über 100 Läufer im Botanischen Garten und laufen gemeinsam 5 km. Einfach nur ein total cooles Event, bei dem ich sicherlich noch öfter teilnehmen werde.
Letztes Wochenende ging es für uns 4 Tage (verlängertes Wochenende dank dem „Heritage Day“) nach Port Elizabeth zu den anderen Freiwilligen. Eine Mitfahrgelegenheit ließ sich relativ einfach über Facebook finden und die Übernachtung war durch ein freies Zimmer im Haus der Anderen auch gesichert. Samstag wurde sich dann natürlich erstmal ganz viel ausgetauscht und am Nachmittag ging es an den traumhaften Strand von Sardinia Bay. Trotz der eisigen Temperaturen ließen wir uns ein kurzes Bad im indischen Ozean natürlich nicht nehmen wink. Am Sonntag verbrachten wir den Tag mit unserem Mentor Jonas, klärten einige Fragen und redeten nochmal über das Thema Sicherheit. Für Montag und Dienstag haben wir uns dann zu viert ein Auto gemietet und so ging es zum ersten Mal in den Addo Elephant Nationalpark, der quasi direkt vor unserer Haustür liegt. Wir hatten echt unfassbar viel Glück, sodass wir Zebras und Elefanten direkt neben dem Auto beobachten konnten cool. Die gewonnene Freiheit durch das Auto musste natürlich kräftig ausgenutzt werden, sodass wir zum Sonnenuntergang nochmal nach Sardinia Bay fuhren. Es war einfach nur traumhaft und ich kann gar nicht in Worte fassen, wie glücklich ich in diesem Moment war. Schöner hätte mein erster Urlaubstag echt nicht sein können! Am Dienstag erkundeten wir dann auf sehr abenteuerlichen Straßen (Das Wort Straße ist vermutlich sogar übertrieben surprised) den Kragga Kamma Game Park in PE, wo wir nochmal einige Tiere vor die Linse bekamen. Am Nachmittag habe ich dann am Kings Beach mein Paradies gefunden: Einen Frozen Joghurt Laden . Endlich Eis in Südafrika essen!

Aber nun genug von meiner Freizeit, denn schließlich bin ich ja zum Arbeiten hier:

Um 9 Uhr startet für gewöhnlich mein Arbeitstag. Meistens fahre ich mit dem Taxi auf Arbeit (bald hoffentlich mit dem Fahrrad) oder meine Arbeitskollegin Daksha nimmt mich mit. Vormittags kümmere ich mich dann um die Facebookseite und Homepage unserer Organisation und helfe einigen Erwachsenen bei der Nutzung unserer Computern. Meistens geht es dabei nur darum etwas auf einen USB Stick zu kopieren oder etwas zu googeln, also für uns eigentlich relativ triviale Dinge. Nachmittags kommen dann viele Schüler, um unser „Open Lab“ (offenen Computerraum) zu nutzen und Recherchen für die Schule zu machen oder einfach nur ein paar Spiele zu spielen. Zusätzlich haben wir jeden Tag eine andere „core group“ (feste Schülergruppe), welche 2 h Unterricht an den Computern bekommen. Bevor der Unterricht startet bereiten wir allerdings immer eine Kleinigkeit zu essen (z.B. Sandwiches, Rührei, Nudeln..) vor, damit die Schüler sich erstmal kurz von dem langen Schultag erholen können.  Von Kochen kann dabei eher nicht die Rede sein, da wir nur eine Mikrowelle zur Verfügung haben, aber das macht das Ganze gleich zu einer kleinen täglichen Herausforderung. Die „core group“ wird dann entweder von uns (meinem Chef Kjetil, meinem Mitfreiwilligem Phillip und mir) oder von einigen Studenten unterrichtet. Manchmal gehen wir mit den Schülern auch an die Uni oder haben andere Events, wie zum Beispiel vor 2 Wochen den „Career Day“, eine Art Berufs- und Studienorientierungstag. So sieht also ein gewöhnlicher Arbeitstag bei mir aus. Gegen 17 Uhr geht es dann wieder nach Hause, wo meine liebe Mitbewohnerin Alue schon auf mich wartet und wir oft einfach gemeinsam in der Küche sitzen, essen und quatschen tongue-out.

So, das wars mal wieder mit einem sehr langen Blogpost, ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesensmile!

Sala kakuhle! (Tschüss auf Xhosa)

 

 

 

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt

07Sept2019

Über 1 Woche lebe ich nun schon in Südafrika und es ist viel passiert. Heute möchte ich euch ein bisschen davon berichten, viel Spaß laughing:

Am 29.08. war es endlich soweit, der Koffer stand bereit und es ging los nach Frankfurt. Der Abschied von Freunden und Familie in den letzten Tagen ist mir echt sehr schwer gefallen und es sind einige Tränen geflossen, aber nichtsdestotrotz hat sich mein Plan nach wie vor richtig angefühlt. Viele meinten ich sei total mutig oder verrückt, aber so habe ich das gar nicht empfunden. Ich lebe doch nur ein Jahr in einem anderen Land, so wie tausende andere Leute auch. Und so bin ich also in den Flieger nach London gestiegen und die lange Reise nahm ihren Lauf. Von London (Dort habe ich mich mit meinem Mitfreiwilligem Phillip getroffen.) ging es nach Durban (Südafrika) und nach 26 h (ab dem Schritt aus der Haustür) landete der dritte und letzte Flieger endlich in Port Elizabeth. Ziemlich übermüdet trafen wir auf unseren Mentor Jonas und weiter ging es mit dem Auto an den Strand von P.E. Den indischen Ozean zu sehen war einfach nur gigantisch und mit dem Schritt ins Wasser war man auch sofort wieder hellwach. Nach dieser kurzen Verschnaufspause fuhren wir ca. 1h bis zu meinem zu Hause für 1 Jahr: Grahamstown/Makhanda. Dort trafen wir unseren Chef Kjetil und die „alten“ Freiwilligen Annika und Meike, welche mittlerweile leider wieder in Deutschland sind. Ich bin sehr froh darüber, dass wir die ersten Tage mit ihnen verbringen konnten, denn das hat einiges einfacher gestaltet. Danke für deine liebevolle Unterstützung Annika!

Am ersten Wochenende in Südafrika wurden wir direkt mit dem traditionellen „Braai“ (Grillen) begrüßt (Man muss wissen, dass Fleisch hier quasi der Hauptbestandteil der Ernährung ist und so gut wie jedes Wochenende stundenlang gegrillt wird). Am Sonntag ging es dann in das 50 km entfernte Städtchen „Kenton on sea“ , wo wir den ganzen Tag am wunderschönen, einsamen (und windigem wink) Strand verbracht. Trotz des kühlen Windes ließen wir uns es natürlich nicht nehmen direkt in den indischen Ozean zu springensmile.

Am Montag ging es dann zum ersten Mal mit dem Taxi zu meiner Arbeitsstelle dem „Joza Youth Hub“ ins Township. Der Hub ist ein Haus, wo viele Kinder aus den Townships nach der Schule hinkommen, um an Computern zu arbeiten, ein Musikprojekt oder den Leseclub zu besuchen. Es war schon irgendwie ein ziemlich komisches Gefühl im Township zu sein, da man als Person mit heller Haut hier ziemlich angestarrt wird, aber nichtsdestotrotz sind die Leute sehr freundlich und die Kinder vorerst sogar sehr schüchtern. Sehr geschockt war ich allerdings von den großen Mengen an Müll, die überall in der Gegend herumliegen cry. Mülltrennung ist auch in der Stadt ein Fremdwort und eine Müllabfuhr für das Township gibt es nicht.
Die gesamte Woche über haben wir nun in die verschiedenen Bereiche unserer Organisation reingeschnuppert, haben bereits bei einigen Schülerkursen zum Thema „Google Docs“ geholfen und wir waren auch schon an der "Archie Mbalekwa Primary School", wo einmal pro Woche ein Computerkurs für die Lehrer angeboten wird. Mein genauer Arbeitsalltag wird sich dann wohl in den nächsten Wochen weiter herauskristallisieren (Bericht wird sicherlich folgen smile). Ein paar Worte Xhosa (Eine der 11 offiziellen Sprachen hier, die vor allem jüngere Kinder überwiegend sprechen.) habe ich auch schon gelernt, auch wenn ich mich damit durch die Klicklaute und die ungewohnte Aussprache echt schwer tue.

Am Freitagabend ging es für uns auf das Filmfestival der Rhodes University, wo 5 (von Studenten produzierte) Kurzfilme präsentiert wurden. Unter anderem auch ein sehr eindrucksvoller Film über die extrem ungleiche Bildung in diesem Land. Wie kann es sein, dass es Kinder gibt, die 22 km zur Schule laufen müssen und dann mit 120 anderen Kindern in einer Klasse sitzen?

Gleich geht es für uns zu einer 5 stündigen afrikanischen Zeremonie. Ich bin sehr gespannt und lasse es einfach mal auf mich zukommenlaughing

Bis baldcool