Arbeit mal anders

26Nov2019

In den letzten Wochen war bei den Schülern Prüfungszeit angesagt und jetzt sind bald Ferien. Mein Arbeitsalltag sieht also aktuell meistens wie folgt aus: Viertel vor 9 geht es mit dem Fahrrad den ca. 4km langen Berg zur Arbeit hoch (Das nenne ich Frühsportsurprised! Ich wünsche mir jedes Mal eine Dusche im Office. Während der Fahrt werde ich oft angeschaut, als komme ich vom Mond. Fahrräder sieht man hier so viel wie Schnee im Sommer und dementsprechend ist es für die Leute jedes Mal ein großes Highlight zu sehen, wie ich auf meinem knallroten Fahrrad durch die Gegend rollecool. Ständig wird mir zugewunken oder ich werde angefeuert, wenn ich mich den Berg hochquäle – einfach nur niedlichsmile).
Vormittags sitze ich dann meistens im Office und kümmere mich um sämtliche Social Media Seiten/Kanäle oder ich sitze im Open Lab und registriere alle Schüler/Erwachsene, die unsere Computer nutzen in einer ewig langen Exceltabelle (Ich glaube mittlerweile kann ich den größten Teil der Schulnamen in Grahamstown auswenig, was and die 33 sindsurprised). Aufgrund der Prüfungszeit kommen unsere core groups dann manchmal überpünktlich gegen Mittag oder manchmal auch gar nicht (Das nennt man wohl African Timesmile). Planung ist also aktuell eher schwierig und meistens wird spontan gehandelt. Zwischendurch passiert dann gerne auch mal ein kleiner Notfall: Letzte Woche ist zum Beispiel unser Wassertank gebrochen, worauf wir so schnell wie möglich mit der Hilfe der Kids zahlreiche Wasserkanister zusammensuchten, befüllten und in den 2. Wassertank am anderen Ende des Gelände schütteten. Da waren wir gute 1,5 h beschäftigt, aber die Arbeit ist es definitv wert. Wasser ist ein sehr sehr wertvolles Gut. Das Eastern Cape hat zunehmend immer mehr mit Wasserproblemen zu kämpfen, die Staudämme sind nur noch zu 25% gefüllt und der Sommer kommt erst nochfrown. Um Wasser zu sparen wird mittlerweile sogar wieder regelmäßig die Wasserversorgung in der gesamten Stadt abgestellt (gerne auch mal über ein komplettes Wochenendeyell).
Letzten Donnerstag hatten wir dann die Jahresabschlussfeier mit einer unserer core groups. Es gab Kuchen, Eis, Snacks und wir hatten viel Spaß bei ein paar harten Dancebattles an der Wii. Zwischen 5 und 6 mache ich mich dann auf den Heimweg und rolle ganz entspannt den am Morgen hart erkämpften Berg wieder hinunterinnocent.


Am 04.12. beginnen dann auch schon die Schulferien, sodass meine Arbeitsstelle ab dem 13.12. auch komplett schließt und ich nur noch von zu Hause arbeiten werde. Weihnachten wird dann mit allen Freiwilligen in Port Elizabeth gefeiert und von da aus machen wir uns am 25.12 auf den Weg entlang der Garden Route bis nach Kapstadt, wo wir Silvester feiern werden und noch ein paar Tage Kapstadt erkunden werden. Ich freue mich schon riesig darauf das Land weiter zu erkundenlaughing.

Jetzt aber zu dem Grund, warum dieser Blogpost seinen Titel trägt: Letztes Wochenende ging es für uns mit 15 Schülern in ein Camp nach Hogsback (ca. 140 km nördlich von Grahamstown). Die Organisation „Hobbiton“ organisiert dort für Gruppen zahlreiche Aktivitäten zum Teambuilding und zur Verbesserung der Gruppendynamik.
Freitag früh traf ich mich also mit 3 anderen Betreuern zum Großeinkauf (und damit meine ich wirklich groooooooßembarassed), denn wir verpflegten uns dieses Wochenende komplett selber. Gegen 1 trafen dann langsam aber sicher alle Kids im Hub ein, wir beluden die 2 Großraumtaxis und machten uns auf den Weg Richtung Hogsback. Eine 2 stündige Fahrt durch wunderschöne Berglandschaft brachte uns letzendlich zum Ziel: Ein Camp miten im Wald, weit abgelegen von der Zivilisation.

Nachdem wir unsere Unterkunft bezogen haben ging es auch schon los mit ein paar kleinen Spielen (sogenannte „Icebreaker“), danach bereiteten wir Betreuer das Abendessen vor und es ging zu einer Nachtwanderung der etwas anderen Art: Taschenlampen mussten zu Hause bleiben, alle hielten sich an der Schulter des Vordermannes fest und auf ging es über viele Trampelpfade in den stockfinsteren Urwald. Die Kids hatten echt Respekt, aber am Ende haben es alle gemeistert. Zum ersten Mal konnte ich den Sternenhimmel hier in seiner vollen Schönheit bewundern und dann ließ sich auch noch eine Sternschnuppe blicken - einfach nur ein magischer Momentlaughing.
Die Kids danach zum Schlafen zu überreden war eher schwierig und ab 5 Uhr morgens waren auch schon alle wieder hellwach, sodass noch vor dem Frühstück eine Runde Volleyball gespielt wurde (Schlaf war bei allen Betreuern dieses Wochenende also eher Mangelwareundecided).
Nach dem Frühstück ging es dann auf eine Wanderung zu den Wasserfällen „Madonna and Child“. Auch wenn einige Kids stark mit ihrer Fitness zu kämpfen hatten, waren alle am Ziel angekommen hellauf begeistert und sprangen sofort unter das erfrischende Wassercool. Ich wurde mit meiner Kamera schnell zur Starfotografin ernannt und hörte jede Sekunde von jeder Seite den Satz „Can you take a picture of me?“laughing.


Zurück in der Unterkunft wurde gemeinsam in Kleingruppen eine Art Orientierungslauf gestartet und danach gab es Mittagessen (Bunnychow – eine Art halbes ausgehöhltes Toastbrot mit beliebiger Füllung, wie z.B. Spiegelei und Würstchentongue-out). Anschließend begann der aufregendste Teil des Tages, wobei einige Kids echt sehr stark über sich hinausgewachsen sind: Fast jeder meisterte die Zipline und viele trauten sich sogar den anschließenden Trapezsprung aus 6 m Höhe, das Abseilen von einer 7 m hohen Plattform und die Kletterwandsmile.
Zum Abendessen wurde dann ganz typisch südafrikanisch „gebraait“ (wie Grillen in Deutschland nur mit viel mehr Fleisch anstelle von Beilagenwink). Nach einer erneuten kurzen Nacht wurden wir (im Gegensatz zum Vortag) von schlechtem Wetter begrüßt. Das hielt uns aber nicht davon ab nochmal eine kleine Wanderung zu unternehmen (unten findet ihr ein Video verlinkt - so hört sich Wandern bei Südafrikanern ansurprised) und anschließend im Mini-Hochseilgarten die Teamfähigkeit weiter zu trainierencool. Gegen 2 ging es dann auch leider wieder nach Hause. Zu gerne wäre ich den Wünschen der Kids gerecht geworden und hätte verlängertfrown.

Mein gu

Klick mich an! :)

Wir hatten ein tolles Wochenende, was uns alle enger zusammengeschweißt hat und was definitv bald wiederholt werden muss. Es war toll mit ansehen zu können, wie die Kids über sich hinausgewachsen sind, ihre Grenzen austesteten und sich ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt hat. Viele Kids kannten so etwas wie eine Kletterwand oder Zipline gar nicht und so ging es mit einem breiten Grinsen auf den Gesichtern zurück nach Hauselaughing.

Bis demnächst!

Hier ist einiges anders...

24Okt2019

Nach über 2 Monaten in Südafrika lernt man viele Dinge, die man in Deutschland hat und als selbstverständlich erachtet, sehr zu schätzen. Ein für mich sehr wichtiges Gut ist meine Freiheit, sowie ein Sicherheitsgefühl und genau darum soll es heute gehensmile:
(Vorher möchte ich aber noch sagen, dass dieser Bericht nur MEINE Erfahrungen, Empfindungen und Eindrücke widerspiegelt und keinesfalls ganz Südafrika! Zudem geht es in diesem Bericht um ganze 2 Monate und nicht nur einen 2-wöchigen Urlaub!wink)

 „Safety and Security“- bereits DAS Thema beim Vorbereitungsseminar und auch vor Ort oft präsent in meinem Kopf. Vor meiner Haustür befindet sich ein abgeschlossenes Gitter, die Haustür selbst hat 2 Schlösser und lässt sich von innen nochmals mit 4 Riegeln verschließen. Um aus dem Haus rauszukommen ist man also erstmal eine Weile beschäftigt, aber so weit so gut. In meinem Zimmer habe ich einen so genannten „panic button“ liegen. Wenn ich diesen drücke, steht innerhalb weniger Minuten ein bewaffneter Mann der Securityfirma „HiTec“ vor meiner Haustür. Der Sicherheitsgedanke ist also stets überall zu spüren. Wirklich stören tut mich an dem Sicherheitsproblem allerdings die Tatsache, dass ich mit Einbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine draußen herumlaufen sollte. Nach der Arbeit muss ich mich meist etwas beeilen, um noch schnell etwas einkaufen zu gehen oder eine kleine Runde joggen zu gehen, bevor die Sonne untergeht. Am Wochenende laufe ich nur mit Freunden gemeinsam zu einer Party und für den Rückweg rufe ich mir erst recht ein Cab (deutsches Taxi, kostet aber nur ca. 2 Euro) oder nehme notfalls das Fahrrad. Das ist etwas, was ich aus Deutschland einfach nicht kenne. In meiner Kleinstadt denke ich meist gar nicht darüber nach zu irgendeiner bestimmten Uhrzeit nicht draußen herumzulaufen. Doch hier gehört das zu meinem Alltag.

Auch tagsüber achte ich darauf, wo ich meine Wertsachen habe und gehe möglichst immer auf Nummer sicher. Was nicht dringend mit muss bleibt zu Hause. Sobald ich mich in der Dämmerung unsicher fühle, wenn eine Person mir entgegenkommt oder hinter mir läuft, dann wechsle ich mittlerweile automatisch die Straßenseite. Bei Bettlern bin ich generell vorsichtig und wenn mich eine fremde Person von der Seite anspricht, bin ich automatisch etwas misstrauisch, gehe auf Distanz und bin nicht sofort offen und superfreundlich, auch wenn die Person doch nur nach dem Weg fragt. Das finde ich sehr sehr schade. Zu gerne würde ich direkt offen auf die Leute zugehen und den Vorurteilen vom „reichen, egoistischen Weißen“ entgegenwirken, aber das ist manchmal einfach nicht möglich. Es ist traurig, wie ein solch wunderschönes Land von derartig hoher Kriminalität geprägt ist. Aber eigentlich ist das auch kein großes Wunder, wenn ich überlege, dass ich am Morgen in einem Coffee Shop mit lauter weißen Studenten sitze, genüsslich meinen Kaffee schlürfe, weiter in meiner Rosawolkenwelt träume, danach 10 min laufe und im Township das Leben am Existenzminimum sehe. Südafrika ist geprägt durch eine RIESIGE Kluft zwischen Arm und Reich, durch eine drastisch hohe Arbeitslosigkeit (aktuell bei 29% und sie steigt von Jahr zu Jahr) und extreme Gegensätze, die man sich als Europäer eigentlich kaum vorstellen kann. Die Folge: Kriminalität!

Aber nun die Frage: Fühle ich mich sicher?

Jaaaaa! Bis jetzt hatte ich keinen Moment, in dem ich Angst hatte. Grahamstown ist im Allgemeinen eine sehr sehr sichere Stadt im Vergleich zu Johannesburg oder Kapstadt. Kriminalität in Verbindung mit Gewalt gibt es hier so gut wie gar nicht (meistens „nur“ Taschendiebstahl) und tagsüber braucht man sich eigentlich erst Recht keine Sorgen zu machen. Ich tausche mich viel mit anderen Freiwilligen aus PE oder Kapstadt aus und im Vergleich dazu, gibt es so viele Dinge, die ich in Grahamstown unbesorgt machen kann. Darüber bin ich echt sehr froh!laughing

Dieser Post klingt jetzt echt sehr negativ und erweckt vielleicht einen sehr extremen Eindruck, aber all diese Sicherheitsvorkehrungen sind bei mir mittlerweile komplette Automatismen und es ist keinesfalls so, dass ich durch die Stadt laufe und die ganze Zeit Angst vor einem Überfall habe oder ständig darüber nachdenke, wie ich denn mein Handy am besten verstecke.
Alles in allem kann ich aber sagen, dass sich das alltägliche Leben hier schon sehr stark von Deutschland unterscheidet. Ich lerne es zu schätzen in Deutschland tagtäglich jede Sekunde Wasser aus der Leitung und Strom aus der Steckdose zu haben und ich weiß unsere Freiheit/Sicherheit zu schätzen. Aber versteht mich nicht falsch: Ich liebe es diese Erfahrungen machen zu können, sie regen mich zum Nach- und Umdenken an, und ich liebe Südafrika!  Jede Woche, wenn ich während des Sonnenunterganges joggen gehe und über die unendlichen Weiten blicke, dann geht mir einfach nur das Herz auf und ich habe ein riesiges Grinsen im Gesichtlaughing.  Von meinem aktuellen Punkt würde ich sagen: Man muss Südafrika einfach mal erleben und die Kultur hautnah spüren! Dieses eine Jahr hier zu leben ist eine großartige Erfahrung, die ich definitiv nicht hätte verpassen wollen. Ich nehme so viel mit, wie nur irgendwie möglich, ich bin glücklich und einfach sooo dankbar für diese Chancesmile.

Ansonsten geht es für mich dieses Wochenende wieder nach PE zu einem Treffen mit meinem Mentor Jonas (Das Thema: Safety and Security. Was für ein Zufalltongue-out) und übernächstes Wochenende geht es mit allen Eastern Cape Freiwilligen auf einen 3-tägigen Trip nach Plettenberg Baycool. Die Vorfreude ist riiiiesiglaughing!

Eine traditionelle Beerdigung

17Okt2019

Wie man dem Titel bereits entnehmen kann, möchte ich euch heute von einem weiteren kulturellen Erlebnis berichten: Vor 2 Wochen ist der Vater meiner Arbeitskollegin Zintle leider sehr überraschend verstorben. Traditionsgemäß fand an dem Samstag 1 Woche nach dem Tod die Beerdigung statt und da es hier üblich ist an dieser teilzunehmen, sobald man ein Familienmitglied des Verstorbenen kennt, machten wir uns um 9 Uhr auf den Weg ins Township zur Kirche. Bei unserer Ankunft war der Gottesdienst schon in vollem Gange und ich war wiedermal sehr überrascht: Die komplette Halle war voll, alle Leute standen an ihren Plätzen und sangen lautstark ein fröhliches Lied. Willkommen in Südafrika!laughing

Der Aufbau der Kirche ist eigentlich dem in Deutschland sehr ähnlich. Vorne gab es ein Podest mit Rednerpult, wo abwechselnd von verschiedenen Männern/Familienmitgliedern Reden gehalten wurden. Davor stand der mit Blumen dekorierte Sarg und der Rest der Kirche war mit Holzbänken gefüllt. Es folgten weitere 2 Stunden Gottesdienst, in denen ich leider kein Wort verstanden habe, da alle Reden auf Xhosa gehalten wurdensurprised. Nichtsdestotrotz war es einfach nur total beeindruckend. Alle 10 min stimmten ein paar Frauen mit kräftigen Stimmen ein neues Lied an und alle Gäste begannen zu singen. Anschließend wurde der Sarg unter weiterem Gesang in ein Auto getragen, alle Gäste in Minibusse gesetzt und auf ging es zu einem Friedhof am anderen Ende von Grahamstown. Hier fand nun die Beisetzung statt und jeder konnte sich noch einmal von dem Verstorbenen verabschieden (natürlich auch wieder mit viel Gesang). Anschließend fuhren wir mit den Minibussen zum Haus der Familie, wo extra ein schattenspendender Pavillon aufgebaut wurde. Jeder Gast bekam ein Getränk und ein vorbereitetes Essenspaket (Kartoffeln, Fleisch (Wer hätte es gedachtwink), Chakalaka, Rote Beete Salat), sodass einfach nur noch das gemütliche Beisammensein genossen werden konnte. Wir mussten uns nach 1 h aber auch leider schon wieder verabschieden, da wir noch zum „End-of-year concert“ des „Access Music Project“ (Eine andere Organisation bei uns im Gemeindezentrum, wo die Schüler nach der Schule Musikunterricht erhalten.) eingeladen waren.

Insgesamt war es ein sehr spannender Tag, der mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.smile

Fotos/Videos habe ich aus Respekt leider so gut wie gar nicht gemacht, aber hier sind trotzdem ein paar kurze Eindrücke. laughing

Das obligatorische Essensfoto

Und hier noch ein kurzes Video cool: Einfach anklicken :)

 

Viele Grüße aus dem heißen Grahamstown (Heute waren es 41 Grad! Der Sommer kommtcool) und bis bald!

 

Ein Monat voller Erlebnisse und Erfahrungen

23Sept2019

Vor genau einem Monat habe ich Deutschland verlassen, einen Monat lebe ich nun schon weit weit weg von gewohnter Umgebung, Familie und Freunden, über einen Monat habe ich schon keinen Döner und kein Vollkornbrot mehr gegessen und seit einem Monat ist es für mich völlig normal, wenn ein Esel meinen Weg kreuzt und die Taxis wie wild durch die Gegend hupen. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht und nach vier Wochen kann ich nun auch sagen: Ich bin angekommen! Ich habe realisiert, dass das hier mein zu Hause für die weiteren 11 Monate sein wird, mein Zimmer ist eingerichtet und ich verspüre einen Alltag. Doch nun weiter mit ein paar Berichten:

Vor ca. 3 Wochen waren wir zu einer afrikanischen Zeremonie im Township eingeladen – definitiv eine Erfahrung, die ich nicht so schnell vergessen werde, auch wenn ich es mir anfangs echt total anders vorgestellt hatte. Bei unserer Ankunft erfuhren wir, dass vor ein paar Jahren ein Familienmitglied verstorben ist, zu dessen Ehren heute eine Kuh geschlachtet wurde, die wir gleich essen werden. Die Kuh befand sich also größtenteils schon lange im Kochtopf. Nichtsdestotrotz bekamen wir einige Einzelteile (z.B. Kopf, Beine) zu sehen. Gegessen wurde dann tatsächlich einfach nur das Fleisch, kein Salat oder irgendwelche Beilagenwink. Viel mehr hat mich aber die Tatsache schockiert, dass ich nicht bei den Männern sitzen durfte. Hier herrscht nach wie vor eine strikte Trennung zwischen Mann und Frau (Welche sich gegen Abend durch den steigenden Alkoholkonsum aber auch deutlich gelockert hat.). Im ersten Moment hat mein Kopf das aber irgendwie gar nicht realisiert und ich dachte ich habe irgendetwas falsch verstanden. Natürlich habe ich mich der Kultur angepasst, aber ein bisschen komisch war mir schon dabei. Nach dem Essen ging es dann so richtig los und damit habe ich nicht gerechnet: Wodka und Gin pur gingen ununterbrochen die Runde herum und es wurde ausgelassen getrunken. Hier wurde die Gastfreundlichkeit der Südafrikaner dann nochmals deutlich. Wir waren gut an die 100 Gäste und keiner ging heim, ohne etwas getrunken zu haben. Teils habe ich mich schon gefragt, wie das Ganze finanziert wurde, aber das hinterfragt man in so einem Moment wohl besser gar nicht erst. Kurz vor Sonnenuntergang ging es dann für uns wieder zurück nach Hause, denn im Dunkeln durch die Gegend zu laufen ist aus Sicherheitsgründen leider ein absolutes Tabu (Dazu kommt aber sicherlich nochmal ein extra Blogpost smile).

Die darauffolgenden Wochenenden waren wir zweimal in der wunderschönen Landschaft rund um Grahamstown wandern und ich nahm das erste Mal am „Parkrun“ teil. Jede Woche treffen sich hier Samstag früh um 8 über 100 Läufer im Botanischen Garten und laufen gemeinsam 5 km. Einfach nur ein total cooles Event, bei dem ich sicherlich noch öfter teilnehmen werde.
Letztes Wochenende ging es für uns 4 Tage (verlängertes Wochenende dank dem „Heritage Day“) nach Port Elizabeth zu den anderen Freiwilligen. Eine Mitfahrgelegenheit ließ sich relativ einfach über Facebook finden und die Übernachtung war durch ein freies Zimmer im Haus der Anderen auch gesichert. Samstag wurde sich dann natürlich erstmal ganz viel ausgetauscht und am Nachmittag ging es an den traumhaften Strand von Sardinia Bay. Trotz der eisigen Temperaturen ließen wir uns ein kurzes Bad im indischen Ozean natürlich nicht nehmen wink. Am Sonntag verbrachten wir den Tag mit unserem Mentor Jonas, klärten einige Fragen und redeten nochmal über das Thema Sicherheit. Für Montag und Dienstag haben wir uns dann zu viert ein Auto gemietet und so ging es zum ersten Mal in den Addo Elephant Nationalpark, der quasi direkt vor unserer Haustür liegt. Wir hatten echt unfassbar viel Glück, sodass wir Zebras und Elefanten direkt neben dem Auto beobachten konnten cool. Die gewonnene Freiheit durch das Auto musste natürlich kräftig ausgenutzt werden, sodass wir zum Sonnenuntergang nochmal nach Sardinia Bay fuhren. Es war einfach nur traumhaft und ich kann gar nicht in Worte fassen, wie glücklich ich in diesem Moment war. Schöner hätte mein erster Urlaubstag echt nicht sein können! Am Dienstag erkundeten wir dann auf sehr abenteuerlichen Straßen (Das Wort Straße ist vermutlich sogar übertrieben surprised) den Kragga Kamma Game Park in PE, wo wir nochmal einige Tiere vor die Linse bekamen. Am Nachmittag habe ich dann am Kings Beach mein Paradies gefunden: Einen Frozen Joghurt Laden . Endlich Eis in Südafrika essen!

Aber nun genug von meiner Freizeit, denn schließlich bin ich ja zum Arbeiten hier:

Um 9 Uhr startet für gewöhnlich mein Arbeitstag. Meistens fahre ich mit dem Taxi auf Arbeit (bald hoffentlich mit dem Fahrrad) oder meine Arbeitskollegin Daksha nimmt mich mit. Vormittags kümmere ich mich dann um die Facebookseite und Homepage unserer Organisation und helfe einigen Erwachsenen bei der Nutzung unserer Computern. Meistens geht es dabei nur darum etwas auf einen USB Stick zu kopieren oder etwas zu googeln, also für uns eigentlich relativ triviale Dinge. Nachmittags kommen dann viele Schüler, um unser „Open Lab“ (offenen Computerraum) zu nutzen und Recherchen für die Schule zu machen oder einfach nur ein paar Spiele zu spielen. Zusätzlich haben wir jeden Tag eine andere „core group“ (feste Schülergruppe), welche 2 h Unterricht an den Computern bekommen. Bevor der Unterricht startet bereiten wir allerdings immer eine Kleinigkeit zu essen (z.B. Sandwiches, Rührei, Nudeln..) vor, damit die Schüler sich erstmal kurz von dem langen Schultag erholen können.  Von Kochen kann dabei eher nicht die Rede sein, da wir nur eine Mikrowelle zur Verfügung haben, aber das macht das Ganze gleich zu einer kleinen täglichen Herausforderung. Die „core group“ wird dann entweder von uns (meinem Chef Kjetil, meinem Mitfreiwilligem Phillip und mir) oder von einigen Studenten unterrichtet. Manchmal gehen wir mit den Schülern auch an die Uni oder haben andere Events, wie zum Beispiel vor 2 Wochen den „Career Day“, eine Art Berufs- und Studienorientierungstag. So sieht also ein gewöhnlicher Arbeitstag bei mir aus. Gegen 17 Uhr geht es dann wieder nach Hause, wo meine liebe Mitbewohnerin Alue schon auf mich wartet und wir oft einfach gemeinsam in der Küche sitzen, essen und quatschen tongue-out.

So, das wars mal wieder mit einem sehr langen Blogpost, ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesensmile!

Sala kakuhle! (Tschüss auf Xhosa)

 

 

 

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt

07Sept2019

Über 1 Woche lebe ich nun schon in Südafrika und es ist viel passiert. Heute möchte ich euch ein bisschen davon berichten, viel Spaß laughing:

Am 29.08. war es endlich soweit, der Koffer stand bereit und es ging los nach Frankfurt. Der Abschied von Freunden und Familie in den letzten Tagen ist mir echt sehr schwer gefallen und es sind einige Tränen geflossen, aber nichtsdestotrotz hat sich mein Plan nach wie vor richtig angefühlt. Viele meinten ich sei total mutig oder verrückt, aber so habe ich das gar nicht empfunden. Ich lebe doch nur ein Jahr in einem anderen Land, so wie tausende andere Leute auch. Und so bin ich also in den Flieger nach London gestiegen und die lange Reise nahm ihren Lauf. Von London (Dort habe ich mich mit meinem Mitfreiwilligem Phillip getroffen.) ging es nach Durban (Südafrika) und nach 26 h (ab dem Schritt aus der Haustür) landete der dritte und letzte Flieger endlich in Port Elizabeth. Ziemlich übermüdet trafen wir auf unseren Mentor Jonas und weiter ging es mit dem Auto an den Strand von P.E. Den indischen Ozean zu sehen war einfach nur gigantisch und mit dem Schritt ins Wasser war man auch sofort wieder hellwach. Nach dieser kurzen Verschnaufspause fuhren wir ca. 1h bis zu meinem zu Hause für 1 Jahr: Grahamstown/Makhanda. Dort trafen wir unseren Chef Kjetil und die „alten“ Freiwilligen Annika und Meike, welche mittlerweile leider wieder in Deutschland sind. Ich bin sehr froh darüber, dass wir die ersten Tage mit ihnen verbringen konnten, denn das hat einiges einfacher gestaltet. Danke für deine liebevolle Unterstützung Annika!

Am ersten Wochenende in Südafrika wurden wir direkt mit dem traditionellen „Braai“ (Grillen) begrüßt (Man muss wissen, dass Fleisch hier quasi der Hauptbestandteil der Ernährung ist und so gut wie jedes Wochenende stundenlang gegrillt wird). Am Sonntag ging es dann in das 50 km entfernte Städtchen „Kenton on sea“ , wo wir den ganzen Tag am wunderschönen, einsamen (und windigem wink) Strand verbracht. Trotz des kühlen Windes ließen wir uns es natürlich nicht nehmen direkt in den indischen Ozean zu springensmile.

Am Montag ging es dann zum ersten Mal mit dem Taxi zu meiner Arbeitsstelle dem „Joza Youth Hub“ ins Township. Der Hub ist ein Haus, wo viele Kinder aus den Townships nach der Schule hinkommen, um an Computern zu arbeiten, ein Musikprojekt oder den Leseclub zu besuchen. Es war schon irgendwie ein ziemlich komisches Gefühl im Township zu sein, da man als Person mit heller Haut hier ziemlich angestarrt wird, aber nichtsdestotrotz sind die Leute sehr freundlich und die Kinder vorerst sogar sehr schüchtern. Sehr geschockt war ich allerdings von den großen Mengen an Müll, die überall in der Gegend herumliegen cry. Mülltrennung ist auch in der Stadt ein Fremdwort und eine Müllabfuhr für das Township gibt es nicht.
Die gesamte Woche über haben wir nun in die verschiedenen Bereiche unserer Organisation reingeschnuppert, haben bereits bei einigen Schülerkursen zum Thema „Google Docs“ geholfen und wir waren auch schon an der "Archie Mbalekwa Primary School", wo einmal pro Woche ein Computerkurs für die Lehrer angeboten wird. Mein genauer Arbeitsalltag wird sich dann wohl in den nächsten Wochen weiter herauskristallisieren (Bericht wird sicherlich folgen smile). Ein paar Worte Xhosa (Eine der 11 offiziellen Sprachen hier, die vor allem jüngere Kinder überwiegend sprechen.) habe ich auch schon gelernt, auch wenn ich mich damit durch die Klicklaute und die ungewohnte Aussprache echt schwer tue.

Am Freitagabend ging es für uns auf das Filmfestival der Rhodes University, wo 5 (von Studenten produzierte) Kurzfilme präsentiert wurden. Unter anderem auch ein sehr eindrucksvoller Film über die extrem ungleiche Bildung in diesem Land. Wie kann es sein, dass es Kinder gibt, die 22 km zur Schule laufen müssen und dann mit 120 anderen Kindern in einer Klasse sitzen?

Gleich geht es für uns zu einer 5 stündigen afrikanischen Zeremonie. Ich bin sehr gespannt und lasse es einfach mal auf mich zukommenlaughing

Bis baldcool

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