Hier ist einiges anders...

24Okt2019

Nach über 2 Monaten in Südafrika lernt man viele Dinge, die man in Deutschland hat und als selbstverständlich erachtet, sehr zu schätzen. Ein für mich sehr wichtiges Gut ist meine Freiheit, sowie ein Sicherheitsgefühl und genau darum soll es heute gehensmile:
(Vorher möchte ich aber noch sagen, dass dieser Bericht nur MEINE Erfahrungen, Empfindungen und Eindrücke widerspiegelt und keinesfalls ganz Südafrika! Zudem geht es in diesem Bericht um ganze 2 Monate und nicht nur einen 2-wöchigen Urlaub!wink)

 „Safety and Security“- bereits DAS Thema beim Vorbereitungsseminar und auch vor Ort oft präsent in meinem Kopf. Vor meiner Haustür befindet sich ein abgeschlossenes Gitter, die Haustür selbst hat 2 Schlösser und lässt sich von innen nochmals mit 4 Riegeln verschließen. Um aus dem Haus rauszukommen ist man also erstmal eine Weile beschäftigt, aber so weit so gut. In meinem Zimmer habe ich einen so genannten „panic button“ liegen. Wenn ich diesen drücke, steht innerhalb weniger Minuten ein bewaffneter Mann der Securityfirma „HiTec“ vor meiner Haustür. Der Sicherheitsgedanke ist also stets überall zu spüren. Wirklich stören tut mich an dem Sicherheitsproblem allerdings die Tatsache, dass ich mit Einbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine draußen herumlaufen sollte. Nach der Arbeit muss ich mich meist etwas beeilen, um noch schnell etwas einkaufen zu gehen oder eine kleine Runde joggen zu gehen, bevor die Sonne untergeht. Am Wochenende laufe ich nur mit Freunden gemeinsam zu einer Party und für den Rückweg rufe ich mir erst recht ein Cab (deutsches Taxi, kostet aber nur ca. 2 Euro) oder nehme notfalls das Fahrrad. Das ist etwas, was ich aus Deutschland einfach nicht kenne. In meiner Kleinstadt denke ich meist gar nicht darüber nach zu irgendeiner bestimmten Uhrzeit nicht draußen herumzulaufen. Doch hier gehört das zu meinem Alltag.

Auch tagsüber achte ich darauf, wo ich meine Wertsachen habe und gehe möglichst immer auf Nummer sicher. Was nicht dringend mit muss bleibt zu Hause. Sobald ich mich in der Dämmerung unsicher fühle, wenn eine Person mir entgegenkommt oder hinter mir läuft, dann wechsle ich mittlerweile automatisch die Straßenseite. Bei Bettlern bin ich generell vorsichtig und wenn mich eine fremde Person von der Seite anspricht, bin ich automatisch etwas misstrauisch, gehe auf Distanz und bin nicht sofort offen und superfreundlich, auch wenn die Person doch nur nach dem Weg fragt. Das finde ich sehr sehr schade. Zu gerne würde ich direkt offen auf die Leute zugehen und den Vorurteilen vom „reichen, egoistischen Weißen“ entgegenwirken, aber das ist manchmal einfach nicht möglich. Es ist traurig, wie ein solch wunderschönes Land von derartig hoher Kriminalität geprägt ist. Aber eigentlich ist das auch kein großes Wunder, wenn ich überlege, dass ich am Morgen in einem Coffee Shop mit lauter weißen Studenten sitze, genüsslich meinen Kaffee schlürfe, weiter in meiner Rosawolkenwelt träume, danach 10 min laufe und im Township das Leben am Existenzminimum sehe. Südafrika ist geprägt durch eine RIESIGE Kluft zwischen Arm und Reich, durch eine drastisch hohe Arbeitslosigkeit (aktuell bei 29% und sie steigt von Jahr zu Jahr) und extreme Gegensätze, die man sich als Europäer eigentlich kaum vorstellen kann. Die Folge: Kriminalität!

Aber nun die Frage: Fühle ich mich sicher?

Jaaaaa! Bis jetzt hatte ich keinen Moment, in dem ich Angst hatte. Grahamstown ist im Allgemeinen eine sehr sehr sichere Stadt im Vergleich zu Johannesburg oder Kapstadt. Kriminalität in Verbindung mit Gewalt gibt es hier so gut wie gar nicht (meistens „nur“ Taschendiebstahl) und tagsüber braucht man sich eigentlich erst Recht keine Sorgen zu machen. Ich tausche mich viel mit anderen Freiwilligen aus PE oder Kapstadt aus und im Vergleich dazu, gibt es so viele Dinge, die ich in Grahamstown unbesorgt machen kann. Darüber bin ich echt sehr froh!laughing

Dieser Post klingt jetzt echt sehr negativ und erweckt vielleicht einen sehr extremen Eindruck, aber all diese Sicherheitsvorkehrungen sind bei mir mittlerweile komplette Automatismen und es ist keinesfalls so, dass ich durch die Stadt laufe und die ganze Zeit Angst vor einem Überfall habe oder ständig darüber nachdenke, wie ich denn mein Handy am besten verstecke.
Alles in allem kann ich aber sagen, dass sich das alltägliche Leben hier schon sehr stark von Deutschland unterscheidet. Ich lerne es zu schätzen in Deutschland tagtäglich jede Sekunde Wasser aus der Leitung und Strom aus der Steckdose zu haben und ich weiß unsere Freiheit/Sicherheit zu schätzen. Aber versteht mich nicht falsch: Ich liebe es diese Erfahrungen machen zu können, sie regen mich zum Nach- und Umdenken an, und ich liebe Südafrika!  Jede Woche, wenn ich während des Sonnenunterganges joggen gehe und über die unendlichen Weiten blicke, dann geht mir einfach nur das Herz auf und ich habe ein riesiges Grinsen im Gesichtlaughing.  Von meinem aktuellen Punkt würde ich sagen: Man muss Südafrika einfach mal erleben und die Kultur hautnah spüren! Dieses eine Jahr hier zu leben ist eine großartige Erfahrung, die ich definitiv nicht hätte verpassen wollen. Ich nehme so viel mit, wie nur irgendwie möglich, ich bin glücklich und einfach sooo dankbar für diese Chancesmile.

Ansonsten geht es für mich dieses Wochenende wieder nach PE zu einem Treffen mit meinem Mentor Jonas (Das Thema: Safety and Security. Was für ein Zufalltongue-out) und übernächstes Wochenende geht es mit allen Eastern Cape Freiwilligen auf einen 3-tägigen Trip nach Plettenberg Baycool. Die Vorfreude ist riiiiesiglaughing!

Eine traditionelle Beerdigung

17Okt2019

Wie man dem Titel bereits entnehmen kann, möchte ich euch heute von einem weiteren kulturellen Erlebnis berichten: Vor 2 Wochen ist der Vater meiner Arbeitskollegin Zintle leider sehr überraschend verstorben. Traditionsgemäß fand an dem Samstag 1 Woche nach dem Tod die Beerdigung statt und da es hier üblich ist an dieser teilzunehmen, sobald man ein Familienmitglied des Verstorbenen kennt, machten wir uns um 9 Uhr auf den Weg ins Township zur Kirche. Bei unserer Ankunft war der Gottesdienst schon in vollem Gange und ich war wiedermal sehr überrascht: Die komplette Halle war voll, alle Leute standen an ihren Plätzen und sangen lautstark ein fröhliches Lied. Willkommen in Südafrika!laughing

Der Aufbau der Kirche ist eigentlich dem in Deutschland sehr ähnlich. Vorne gab es ein Podest mit Rednerpult, wo abwechselnd von verschiedenen Männern/Familienmitgliedern Reden gehalten wurden. Davor stand der mit Blumen dekorierte Sarg und der Rest der Kirche war mit Holzbänken gefüllt. Es folgten weitere 2 Stunden Gottesdienst, in denen ich leider kein Wort verstanden habe, da alle Reden auf Xhosa gehalten wurdensurprised. Nichtsdestotrotz war es einfach nur total beeindruckend. Alle 10 min stimmten ein paar Frauen mit kräftigen Stimmen ein neues Lied an und alle Gäste begannen zu singen. Anschließend wurde der Sarg unter weiterem Gesang in ein Auto getragen, alle Gäste in Minibusse gesetzt und auf ging es zu einem Friedhof am anderen Ende von Grahamstown. Hier fand nun die Beisetzung statt und jeder konnte sich noch einmal von dem Verstorbenen verabschieden (natürlich auch wieder mit viel Gesang). Anschließend fuhren wir mit den Minibussen zum Haus der Familie, wo extra ein schattenspendender Pavillon aufgebaut wurde. Jeder Gast bekam ein Getränk und ein vorbereitetes Essenspaket (Kartoffeln, Fleisch (Wer hätte es gedachtwink), Chakalaka, Rote Beete Salat), sodass einfach nur noch das gemütliche Beisammensein genossen werden konnte. Wir mussten uns nach 1 h aber auch leider schon wieder verabschieden, da wir noch zum „End-of-year concert“ des „Access Music Project“ (Eine andere Organisation bei uns im Gemeindezentrum, wo die Schüler nach der Schule Musikunterricht erhalten.) eingeladen waren.

Insgesamt war es ein sehr spannender Tag, der mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.smile

Fotos/Videos habe ich aus Respekt leider so gut wie gar nicht gemacht, aber hier sind trotzdem ein paar kurze Eindrücke. laughing

Das obligatorische Essensfoto

Und hier noch ein kurzes Video cool: Einfach anklicken :)

 

Viele Grüße aus dem heißen Grahamstown (Heute waren es 41 Grad! Der Sommer kommtcool) und bis bald!

 

Ein Monat voller Erlebnisse und Erfahrungen

23Sept2019

Vor genau einem Monat habe ich Deutschland verlassen, einen Monat lebe ich nun schon weit weit weg von gewohnter Umgebung, Familie und Freunden, über einen Monat habe ich schon keinen Döner und kein Vollkornbrot mehr gegessen und seit einem Monat ist es für mich völlig normal, wenn ein Esel meinen Weg kreuzt und die Taxis wie wild durch die Gegend hupen. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht und nach vier Wochen kann ich nun auch sagen: Ich bin angekommen! Ich habe realisiert, dass das hier mein zu Hause für die weiteren 11 Monate sein wird, mein Zimmer ist eingerichtet und ich verspüre einen Alltag. Doch nun weiter mit ein paar Berichten:

Vor ca. 3 Wochen waren wir zu einer afrikanischen Zeremonie im Township eingeladen – definitiv eine Erfahrung, die ich nicht so schnell vergessen werde, auch wenn ich es mir anfangs echt total anders vorgestellt hatte. Bei unserer Ankunft erfuhren wir, dass vor ein paar Jahren ein Familienmitglied verstorben ist, zu dessen Ehren heute eine Kuh geschlachtet wurde, die wir gleich essen werden. Die Kuh befand sich also größtenteils schon lange im Kochtopf. Nichtsdestotrotz bekamen wir einige Einzelteile (z.B. Kopf, Beine) zu sehen. Gegessen wurde dann tatsächlich einfach nur das Fleisch, kein Salat oder irgendwelche Beilagenwink. Viel mehr hat mich aber die Tatsache schockiert, dass ich nicht bei den Männern sitzen durfte. Hier herrscht nach wie vor eine strikte Trennung zwischen Mann und Frau (Welche sich gegen Abend durch den steigenden Alkoholkonsum aber auch deutlich gelockert hat.). Im ersten Moment hat mein Kopf das aber irgendwie gar nicht realisiert und ich dachte ich habe irgendetwas falsch verstanden. Natürlich habe ich mich der Kultur angepasst, aber ein bisschen komisch war mir schon dabei. Nach dem Essen ging es dann so richtig los und damit habe ich nicht gerechnet: Wodka und Gin pur gingen ununterbrochen die Runde herum und es wurde ausgelassen getrunken. Hier wurde die Gastfreundlichkeit der Südafrikaner dann nochmals deutlich. Wir waren gut an die 100 Gäste und keiner ging heim, ohne etwas getrunken zu haben. Teils habe ich mich schon gefragt, wie das Ganze finanziert wurde, aber das hinterfragt man in so einem Moment wohl besser gar nicht erst. Kurz vor Sonnenuntergang ging es dann für uns wieder zurück nach Hause, denn im Dunkeln durch die Gegend zu laufen ist aus Sicherheitsgründen leider ein absolutes Tabu (Dazu kommt aber sicherlich nochmal ein extra Blogpost smile).

Die darauffolgenden Wochenenden waren wir zweimal in der wunderschönen Landschaft rund um Grahamstown wandern und ich nahm das erste Mal am „Parkrun“ teil. Jede Woche treffen sich hier Samstag früh um 8 über 100 Läufer im Botanischen Garten und laufen gemeinsam 5 km. Einfach nur ein total cooles Event, bei dem ich sicherlich noch öfter teilnehmen werde.
Letztes Wochenende ging es für uns 4 Tage (verlängertes Wochenende dank dem „Heritage Day“) nach Port Elizabeth zu den anderen Freiwilligen. Eine Mitfahrgelegenheit ließ sich relativ einfach über Facebook finden und die Übernachtung war durch ein freies Zimmer im Haus der Anderen auch gesichert. Samstag wurde sich dann natürlich erstmal ganz viel ausgetauscht und am Nachmittag ging es an den traumhaften Strand von Sardinia Bay. Trotz der eisigen Temperaturen ließen wir uns ein kurzes Bad im indischen Ozean natürlich nicht nehmen wink. Am Sonntag verbrachten wir den Tag mit unserem Mentor Jonas, klärten einige Fragen und redeten nochmal über das Thema Sicherheit. Für Montag und Dienstag haben wir uns dann zu viert ein Auto gemietet und so ging es zum ersten Mal in den Addo Elephant Nationalpark, der quasi direkt vor unserer Haustür liegt. Wir hatten echt unfassbar viel Glück, sodass wir Zebras und Elefanten direkt neben dem Auto beobachten konnten cool. Die gewonnene Freiheit durch das Auto musste natürlich kräftig ausgenutzt werden, sodass wir zum Sonnenuntergang nochmal nach Sardinia Bay fuhren. Es war einfach nur traumhaft und ich kann gar nicht in Worte fassen, wie glücklich ich in diesem Moment war. Schöner hätte mein erster Urlaubstag echt nicht sein können! Am Dienstag erkundeten wir dann auf sehr abenteuerlichen Straßen (Das Wort Straße ist vermutlich sogar übertrieben surprised) den Kragga Kamma Game Park in PE, wo wir nochmal einige Tiere vor die Linse bekamen. Am Nachmittag habe ich dann am Kings Beach mein Paradies gefunden: Einen Frozen Joghurt Laden . Endlich Eis in Südafrika essen!

Aber nun genug von meiner Freizeit, denn schließlich bin ich ja zum Arbeiten hier:

Um 9 Uhr startet für gewöhnlich mein Arbeitstag. Meistens fahre ich mit dem Taxi auf Arbeit (bald hoffentlich mit dem Fahrrad) oder meine Arbeitskollegin Daksha nimmt mich mit. Vormittags kümmere ich mich dann um die Facebookseite und Homepage unserer Organisation und helfe einigen Erwachsenen bei der Nutzung unserer Computern. Meistens geht es dabei nur darum etwas auf einen USB Stick zu kopieren oder etwas zu googeln, also für uns eigentlich relativ triviale Dinge. Nachmittags kommen dann viele Schüler, um unser „Open Lab“ (offenen Computerraum) zu nutzen und Recherchen für die Schule zu machen oder einfach nur ein paar Spiele zu spielen. Zusätzlich haben wir jeden Tag eine andere „core group“ (feste Schülergruppe), welche 2 h Unterricht an den Computern bekommen. Bevor der Unterricht startet bereiten wir allerdings immer eine Kleinigkeit zu essen (z.B. Sandwiches, Rührei, Nudeln..) vor, damit die Schüler sich erstmal kurz von dem langen Schultag erholen können.  Von Kochen kann dabei eher nicht die Rede sein, da wir nur eine Mikrowelle zur Verfügung haben, aber das macht das Ganze gleich zu einer kleinen täglichen Herausforderung. Die „core group“ wird dann entweder von uns (meinem Chef Kjetil, meinem Mitfreiwilligem Phillip und mir) oder von einigen Studenten unterrichtet. Manchmal gehen wir mit den Schülern auch an die Uni oder haben andere Events, wie zum Beispiel vor 2 Wochen den „Career Day“, eine Art Berufs- und Studienorientierungstag. So sieht also ein gewöhnlicher Arbeitstag bei mir aus. Gegen 17 Uhr geht es dann wieder nach Hause, wo meine liebe Mitbewohnerin Alue schon auf mich wartet und wir oft einfach gemeinsam in der Küche sitzen, essen und quatschen tongue-out.

So, das wars mal wieder mit einem sehr langen Blogpost, ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesensmile!

Sala kakuhle! (Tschüss auf Xhosa)

 

 

 

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt

07Sept2019

Über 1 Woche lebe ich nun schon in Südafrika und es ist viel passiert. Heute möchte ich euch ein bisschen davon berichten, viel Spaß laughing:

Am 29.08. war es endlich soweit, der Koffer stand bereit und es ging los nach Frankfurt. Der Abschied von Freunden und Familie in den letzten Tagen ist mir echt sehr schwer gefallen und es sind einige Tränen geflossen, aber nichtsdestotrotz hat sich mein Plan nach wie vor richtig angefühlt. Viele meinten ich sei total mutig oder verrückt, aber so habe ich das gar nicht empfunden. Ich lebe doch nur ein Jahr in einem anderen Land, so wie tausende andere Leute auch. Und so bin ich also in den Flieger nach London gestiegen und die lange Reise nahm ihren Lauf. Von London (Dort habe ich mich mit meinem Mitfreiwilligem Phillip getroffen.) ging es nach Durban (Südafrika) und nach 26 h (ab dem Schritt aus der Haustür) landete der dritte und letzte Flieger endlich in Port Elizabeth. Ziemlich übermüdet trafen wir auf unseren Mentor Jonas und weiter ging es mit dem Auto an den Strand von P.E. Den indischen Ozean zu sehen war einfach nur gigantisch und mit dem Schritt ins Wasser war man auch sofort wieder hellwach. Nach dieser kurzen Verschnaufspause fuhren wir ca. 1h bis zu meinem zu Hause für 1 Jahr: Grahamstown/Makhanda. Dort trafen wir unseren Chef Kjetil und die „alten“ Freiwilligen Annika und Meike, welche mittlerweile leider wieder in Deutschland sind. Ich bin sehr froh darüber, dass wir die ersten Tage mit ihnen verbringen konnten, denn das hat einiges einfacher gestaltet. Danke für deine liebevolle Unterstützung Annika!

Am ersten Wochenende in Südafrika wurden wir direkt mit dem traditionellen „Braai“ (Grillen) begrüßt (Man muss wissen, dass Fleisch hier quasi der Hauptbestandteil der Ernährung ist und so gut wie jedes Wochenende stundenlang gegrillt wird). Am Sonntag ging es dann in das 50 km entfernte Städtchen „Kenton on sea“ , wo wir den ganzen Tag am wunderschönen, einsamen (und windigem wink) Strand verbracht. Trotz des kühlen Windes ließen wir uns es natürlich nicht nehmen direkt in den indischen Ozean zu springensmile.

Am Montag ging es dann zum ersten Mal mit dem Taxi zu meiner Arbeitsstelle dem „Joza Youth Hub“ ins Township. Der Hub ist ein Haus, wo viele Kinder aus den Townships nach der Schule hinkommen, um an Computern zu arbeiten, ein Musikprojekt oder den Leseclub zu besuchen. Es war schon irgendwie ein ziemlich komisches Gefühl im Township zu sein, da man als Person mit heller Haut hier ziemlich angestarrt wird, aber nichtsdestotrotz sind die Leute sehr freundlich und die Kinder vorerst sogar sehr schüchtern. Sehr geschockt war ich allerdings von den großen Mengen an Müll, die überall in der Gegend herumliegen cry. Mülltrennung ist auch in der Stadt ein Fremdwort und eine Müllabfuhr für das Township gibt es nicht.
Die gesamte Woche über haben wir nun in die verschiedenen Bereiche unserer Organisation reingeschnuppert, haben bereits bei einigen Schülerkursen zum Thema „Google Docs“ geholfen und wir waren auch schon an der "Archie Mbalekwa Primary School", wo einmal pro Woche ein Computerkurs für die Lehrer angeboten wird. Mein genauer Arbeitsalltag wird sich dann wohl in den nächsten Wochen weiter herauskristallisieren (Bericht wird sicherlich folgen smile). Ein paar Worte Xhosa (Eine der 11 offiziellen Sprachen hier, die vor allem jüngere Kinder überwiegend sprechen.) habe ich auch schon gelernt, auch wenn ich mich damit durch die Klicklaute und die ungewohnte Aussprache echt schwer tue.

Am Freitagabend ging es für uns auf das Filmfestival der Rhodes University, wo 5 (von Studenten produzierte) Kurzfilme präsentiert wurden. Unter anderem auch ein sehr eindrucksvoller Film über die extrem ungleiche Bildung in diesem Land. Wie kann es sein, dass es Kinder gibt, die 22 km zur Schule laufen müssen und dann mit 120 anderen Kindern in einer Klasse sitzen?

Gleich geht es für uns zu einer 5 stündigen afrikanischen Zeremonie. Ich bin sehr gespannt und lasse es einfach mal auf mich zukommenlaughing

Bis baldcool

Das große Kennenlernen

05Juli2019

Hallihallo,

heute möchte ich euch gerne etwas über 10 aufregende Tage in Berlin berichten. Voller Vorfreude reiste ich an einem Samstag nach Berlin, wo ich mich zuerst mit meinem Mitfreiwilligem Phillip getroffen habe und wir uns dann gemeinsam zu dem Haus unserer Projektgründerin Anna quer durch Berlin geschlagen haben. Dort absolvierten wir 2 gemütliche Praktikumstage, wo wir alles Mögliche über unser Projekt und unsere Aufgaben erfuhren. Gleichzeitig lernten wir uns auch schon gut kennen, denn die Atmosphäre bei Annas Familie war einfach sehr herzlich.  Wir haben viele tolle Südafrikageschichten gehört und wurden direkt in die VSA-Family aufgenommen. Erste Reiseempfehlungen erhielten wir auch, sodass Phillip und ich direkt eine Bucketlist für gemeinsame Trips erstellten smile.

Am Montag ging es dann für uns weiter nach Wünsdorf-Waldstadt (kleines Dorf ca. 1h von Berlin), wo wir total aufgeregt auf die 21 restlichen Freiwilligen trafen. Wir waren alle sofort auf einer Wellenlänge und erkundeten direkt gemeinsam den Badesee, welcher in den folgenden 8 Tagen aufgrund der hohen Temperaturen und zur Kühlung der tausenden Mückenstiche jede freie Minute genutzt wurde.

Kurze Erfrischung im geliebten Badesee :)

Aber natürlich sollte ein Vorbereitungsseminar nicht nur Spaß, sondern auch viel Arbeit beinhalten. Trotz 3 „Unterrichtseinheiten“ mit je 3-4 h am Tag hat es unsere tolle Seminarleiterin Jenny geschafft Arbeit, Spaß und Zeit zum Kennenlernen perfekt zu kombinieren. Da Südafrika kein Land der westlichen Welt ist, gibt es viele Themen, die in Deutschland vergleichsweise eine geringe Rolle spielen, in Südafrika aber sehr wichtig für ein sicheres alltägliches Leben sind. Rassismus, Safety & Security, HIV, Versicherung und das Leben in einer fremden Kultur sind dabei die wichtigsten Themenkomplexe und wurden uns zusätzlich durch ehemalige Freiwillige (Alumni), Süd-Nord-Freiwillige (also Südafrikaner, die aktuell 1 Jahr in Deutschland leben) und Jonas vermittelt. Jonas ist ein total lustiger, offener und liebenswerter Mensch, welcher seit über 15 Jahren in Port Elizabeth lebt und mein Mentor vor Ort sein wirdcool.

Und dann war da noch das Problem, vor dem wir wohl alle am meisten Angst haben: das VISUM. Ein ewig langer Antrag wurde gemeinsam ausgefüllt und die Köpfe glühten nur so voller Fragenyell. In diesem Zusammenhang haben wir auch unsere Flugtickets bekommen, wodurch alles irgendwie so viel mehr realer wurde und die Vorfreude immer weiter stieg.

Aufgelockert wurden die durchgeplanten Tage durch eine Stadtführung und Stadtrallye in Berlin und durch tolle Spielabende, wobei vor allem meine Billard- und Tischtennisfähigkeiten, sowie meine Textsicherheit bei Weihnachtsliedern auf den Prüfstand gestellt wurden wink. Chronischer Schlafmangel wurde dann glücklicherweise durch exzessiven Kaffeekonsum wieder ausgeglichen.

Leider musste ich das Seminar schon 2 Tage eher verlassen, aber der Grund war ein schöner: Von Berlin ging es für mich direkt weiter nach München und von dort weiter auf Abireise nach Gran Canaria cool. Und 8 Tage später saß ich dann schon wieder im Zug nach Berlin zur Beantragung meines Visums bei der südafrikanischen Botschaft. 3 h Wartezeit lohnten sich, denn mein Visumsantrag wurde problemlos angenommen – Erleichterung pur.

Abschließend kann ich nur noch sagen: So langsam wird es ernst, erste Gedanken ums große Packen werden gemacht, Visum ist beantragt, und die Flugtickets sind in der Hand. Ich freue mich riesig ein Jahr mit diesen tollen Menschen zu verbringen und bin unfassbar gespannt.
Wir sehen uns spätestens zu Silvester in Kapstadt wink.

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